HINTERGRUNDWISSEN: REDOXPOTENTIAL

Wasseraufbereitung mit automatischen Dosiersystemen, Redoxpotential, pH, Carbonathärte, Wartung/Lagerung und Pflege der Sonden.
Benutzeravatar
Alex
Administrator
Beiträge: 9988
Registriert: 28. Mai 2014, 23:00

HINTERGRUNDWISSEN: REDOXPOTENTIAL

Beitrag von Alex »

Das Redoxpotential spiegelt das chemische Verhältnis zwischen REDuzierenden Stoffen und OXidierenden Stoffen im Wasser wieder.
Vereinfacht also eine Gleichung in der Form:

Code: Alles auswählen

            OXIDIERENDE STOFFE
POTENTIAL = -------------------
            REDUZIERENDE STOFFE
Zu den oxidierenden Stoffen gehört das eingesetzte Desinfektionsmittel, zu den reduzierenden Stoffen Verunreinigungen aller Art, inkl. aller Desinfektionsnebenprodukte: also auch gebundenes Chlor. Wie man der Gleichung entnehmen kann führt also die Erhöhung des Desinfektionsmittels im Wasser (z.B. Chlor) zu einem höheren Redoxpotential... und eine Erhöhung der reduzierenden Stoff, z.B. durch erhöhten Schmutzeintrag oder Badebetrieb, zu einer reduzierung des Potentials.
Ebenso ergibt sich aber auch, das eine gleichwertige Anhebung beider Parameter (mehr Desinfektionsmittel, aber auch mehr "Schmutz" durch z.B. viele Badegäste) ein gleichbleibendes Potential - bei höherem Chlorgehalt - bedeutet.

Das Redoxpotential trifft also keine Aussage über eine bestimmte Menge an wirksamen Desinfektionsmitteln im Wasser, sondern einen bedarfsgerechten Anhaltspunkt ob in Relation zu den Verunreinigungen, genügend wirksames(!) Desinfektionsmittel im Wasser vorhanden ist. Anhand des Redoxpotentiales lässt sich also bedarfsgerecht der Anteil an Desinfektionsmittel im Wasser regeln - dabei wird der Wert des z.B. per DPD1 messbaren, freien Chlors (wenn Cl als Desinfektionsmittel eingesetzt wird) nur selten exakt konstant sein sondern sich den Bedürfnissen, Nutzung und der Verunreinigung des Beckenwassers anpassen.

Richtwerte:
Für öffentliche Schwimmbäder ist laut DIN ein mindest Redoxpotential von 750mV vorgegeben. Dies stellt allerdings den unteren Grenzwert dar. Bei diesen Potentialen ist die Keimtötungsgeschwindigkeit ausreichen hoch um für den Menschen schädliche Keime aller Art, in ausreichend kurzer Zeit, zu eliminieren. Für private Schwimmbäder sollte man sich ebenfalls mindestens an diesem unteren Grenzwert orientieren. Allerdings bleibt zu berücksichtigen, das öffentliche Anlagen ein vielfaches an Umwälzleistung in ihren Aufbereitungstrecken bereit stellen und somit eine Dosiereinrichtung auf abfallende Werte wesentlich schneller reagieren kann als dies in privaten Becken der Fall ist. Ein tendenziell etwas höheres Potential, im Bereich um mindestens 770mV bis 780mV, wäre also eher an zu streben um ein zwischenzeitliches Absacken der Werte, durch hohe Belastung, zu vermeiden.
Wasser, das mit z.B. 0,6mg/l freiem Chlor ein Redoxpotential von 750mV (oder mehr) erreicht, kann man als "ausreichend desinfiziert" betrachten. Andersherum ist Wasser, das z.B. mit 2mg/l (oder mehr) freiem Chlor KEINE 750mV erreicht auch entsprechend NICHT "ausreichend desinfiziert".

Auch auf Grund dieser Tatsache ist die Redoxmessung naturgemäß etwas träge bei der Erfassung des gesamten Systems "Pool". Auswirkungen an Änderungen der Dosierparameter müssen entsprechend über mehrere Stunden/Tage - bei möglichst gleichbleibenden Rahmenbedingungen - beobachtet werden. Zu kurzfristige, immerwährende Veränderungen der Einstellungen, ohne Berücksichtigung der Trägheit der gesamten Wassermenge, sind meisst wenig zielführend und verunsichern eher. :)

Hanni78
Beiträge: 28
Registriert: 20. März 2020, 15:46

Re: HINTERGRUNDWISSEN: REDOXPOTENTIAL

Beitrag von Hanni78 »

Hallo Alex,
Habe heute die Anlage in Betrieb genommen.
Durchfluss 4,8 cm/s und ph 6,93 und das Redox Potential liegt aktuell bei 798 mV, Chlor DPD liegt bei ca. 1,5/2 mg/l.
Wie lange sollten die Sonden nochmal einlaufen bis zur 1. Kalibrierung?
PS. Wurde neues Wasser eingefüllt 30qm
Gruß Christian

Mark48
Beiträge: 110
Registriert: 6. Januar 2015, 13:21

Re: HINTERGRUNDWISSEN: REDOXPOTENTIAL

Beitrag von Mark48 »

Minimum ein paar Stunden, ich lasse die Sonden meist 36 Stunden ohne Kalibrierung laufen.

Benutzeravatar
Alex
Administrator
Beiträge: 9988
Registriert: 28. Mai 2014, 23:00

Re: HINTERGRUNDWISSEN: REDOXPOTENTIAL

Beitrag von Alex »