HINTERGRUNDWISSEN: GEBUNDENES CHLOR | CHLORAMINE

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Alex
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HINTERGRUNDWISSEN: GEBUNDENES CHLOR | CHLORAMINE

Beitrag von Alex »

Als gebundenes Chlor bezeichnet man verbrauchtes Chlor, das nach der eigentlichen Desinfektion (Oxidation) im Wasser verbleibt und dort (vorwiegend mit Harnstoffen) chemische Verbindungen (Mono-,Di- und TriChloramin) eingeht. Dieses gebundene Chlor ist das, was am Ende für den typischen Schwimmbadgeruch, Haut- und Augenreizungen verantwortlich ist.
Freies, noch "unverbrauchtes" Chlor ist selbst in Konzentrationen um 4..5..6 ppm kaum zu riechen.
Augenrötungen und typischer "Chlorgeruch" resultieren also von einem zu hohen Gehalt an gebundenem Chlor und nicht von einem zu hohen Gehalt an freiem Chlor.
Gebundenes Chlor baut sich nicht selbständig im Wasser ab, ein zu hoher Gehalt (ab 0.2ppm) muss durch schockchloren oxidiert werden. Idealerweise hält man schon die Bildung von Chloraminen weitestgehend gering, durch einen dauerhaft ausreichend hohen Wert an freiem Chlor.

Chloramine lassen sich nicht wie "normaler" Schmutz im Wasser oxidieren, sondern sie erfordern einen deutlichen Überschuss (etwa das 6-Fache) an wirksamen, freiem Chlor im Wasser damit sie überhaupt reagieren und zu harmlosen Stickstoffverbindungen oxidiert werden können. Beispielsweise um 1ppm gebundenes Chlor im Wasser zu oxidieren, wäre mindestens die Zugabemenge für einen Wert von 6ppm freiem Chlor im Wasser notwendig. Berücksichtigen muss man hier aber, das es sich um 6ppm aktiv wirksamen Chlores handeln muss. (Siehe - FREIES CHLOR). Abhängig von pH-Wert und evtl. vorhandener Cyanursäure müsste die reelle Zugabemenge also noch höher sein.
Bei diesem Beispiel würde also das anheben des Gehaltes an freiem Chlor auf 3ppm - in einem Wasser mit bereits 1ppm gebundenem Chlor - keinen ausreichenden Effekt auf den Abbau von Chloraminen haben.

Um die Bildung von Chloraminen so gering wie möglich zu halten sollte man also darauf achten, das sich zu keinem Zeitpunkt der Gehalt an freiem Chlor im Wasser übermäßig reduziert und zu keinem Zeitpunkt unter 0.6 ppm (20°) bis 1.0 ppm (30°) fällt (bei pH 7.0 und Cyanursäure freiem Wasser!). Besonders bei Becken mit Salzelektrolyse muss man diesem Punkt besonderes Augenmerk widmen, da die Zellen gerne "zu klein" für die Becken dimensioniert sind und deren Produktionsleistung nur einen Bruchteil der Menge an Desinfektionsmittel liefert, die eine Dosierpumpe mit flüssigem Natriumhypochlorit liefern kann. Das Ergebnis einer dauerhaft zu niedrigen oder zu kurzen Produktion von Chlor äussert sich in der Regel in einem immer niedriger werdenden Redoxpotential, trotz scheinbar ausreichender Menge an Chlor (per DPD1 Messung). Die Dosierautomatik kann den Redox-Sollwert nicht mehr aufrecht erhalten - bis hin zum vollständigen Einbruch des Redoxpotentiales wenn man diesem Zustand über längere Zeit nicht entgegen wirkt und durch dauerhaft zu niedrige Frischwasserzufuhr noch unterstützt.